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Vor den Taliban nach Deutschland geflüchtet

Veröffentlicht am: 05. Dezember 2017

Sannerz - „Von der pakistanischen Terrororganisation Taliban wurde Abdullah als 15-Jähriger entführt, seiner Familie entrissen, um als Selbstmord-Attentäter für den Heiligen Krieg, den Dschihad, ausgebildet zu werden“, berichtet Roland Müller, Abdullahs Betreuer im Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz. Doch dem mutigen jungen Burschen gelang nach nur drei Tagen die Flucht durch ein offenes Fenster. Sogleich begab er sich Richtung Europa, legte eine Distanz von 5000 Kilometern Luftlinie auf dem Weg in die Freiheit zurück. „Ich war 45 Tage mit Autos, der Bahn und zu Fuß unterwegs“, berichtet Abdullah von seiner Flucht.
  
Im Aufnahmezentrum Frankfurt angekommen, wurde Abdullah Zadran nach nur zwei Wochen Don Bosco in Sannerz zugeteilt. Freilich nicht, bevor der dortige Betreuer Kontakte zum SC Riedberg knüpfte, jenem Frankfurter Verein, in dem neben Fußball, Basketball und Rugby auch Abdullahs bevorzugte Sportart Cricket betrieben wird. In Zadrans Heimat, in Gardez in der Provinz Paktia, 100 Kilometer entfernt von der Hauptstadt Kabul nahe der Grenze zu Pakistan, ist Cricket, wie auch in Indien und zahlreichen Ländern des Commonwealth, Nationalsport. Ähnlich dem Baseball versuchen zwei Mannschaften, eine angreifende und eine verteidigende, durch Laufen oder das Schlagen eines tennisgroßen Balles nach Zuwerfen durch den Gegner Punkte zu erzielen.
  
Mehrfach in der Woche fährt Abdullah Zadran mittlerweile mit der Bahn zu Training oder Spielen des SC Riedberg in die Mainmetropole. Voller Stolz präsentiert der junge Mann einen schicken, von zwei eigens aus Afghanistan eingereisten Cricket-Stars überreichten Pokal, verliehen für einen hessenweiten Wettbewerb. „Best Bowler“ –  bester Werfer – lautet die Gravur darauf. Aufgabe des Werfers im Cricket ist es, den Ball so hart und geschickt zu werfen, dass ihn der gegnerische Spieler mit dem Holzschläger nicht trifft.
  
Auf dem Sportgelände des Don Bosco Jugendhilfezentrums zeigt Abdullah sein Können. Mit großer Wucht knallt er den harten Lederball, vor dem sich die Schläger mit entsprechender Kleidung schützen müssen, gegen eine Betonwand. Faszination spiegelt sich in seinen Augen, wenn er den auf Kirchturmhöhe geworfenen Ball, ohne seine Abwurfposition zu verändern, mit traumwandlerischer Sicherheit wieder auffängt.
  
Ob er denn nicht auch eine Vorliebe zum in Deutschland so beliebten Fußball pflege? „Mit den Füßen klappt es nicht so toll, mit den Händen ist er geschickter, als Torwart könnte ich ihn mir vorstellen“, mischt sich Betreuer Roland Müller schmunzelnd ein. Den Hauptschulabschluss hat der lebhafte junge Mann seit seiner Ankunft in Deutschland absolviert, darüber hinaus mehrere Deutschkurse besucht. Derzeit befindet er sich im zweiten Ausbildungsjahr zum Schreiner. „Aktuell bilden wir im Rahmen unseres Projektes ,Sannerz integriert‘ neun junge Männer zu Schreinern, Malern und Metallern aus, dazu haben wir dankenswerterweise  Spenden erhalten“, betont der Direktor und Einrichtungsleiter, Pater Clemens Schliermann.   
     
Telefonischen Kontakt in die Heimat hält Abdullah Zadran regelmäßig. Die Eltern, zwei Schwestern und drei Brüder hat er in Afghanistan zurücklassen müssen. Derzeit sprechen kann er nur mit seiner Mutter und vieren der fünf Geschwister. „Mein Vater und ein Bruder sind spurlos verschwunden, wahrscheinlich beide von der Taliban verschleppt“, berichtet der junge Mann traurig.
 
 
Foto und Text von Oswald Leibold
Mit freundlicher Genehmigung der Kinzital Nachrichten

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